Stressbewältigung durch Achtsamkeit MBSR - Mindfulness Based Stress Reduction
Stressbewältigung durch Achtsamkeit MBSR - Mindfulness Based Stress Reduction 

Sprechangst ist kein seltenes Phänomen: In einer Untersuchung an einer deutschen Universität gaben 45% der Studierenden an, unter Sprechangst zu leiden. Von 250 in Amerika befragten Personen äußerten 22%, dass sie aus Angst vor Kritik das Sprechen vor Gruppen vermeiden und 40,6% fürchteten sich davor, vor einer Gruppe zu reden. Sprechangst zeigt sich auf verschiedenen Ebenen in Form spezifischer Symptome:

  

  • Körperliche Symptome: Körperlich betrachtet stellt Sprechangst eine Form von Stress dar, für die der Körper zusätzliche Energiereserven bereitstellt. Das vegetative Nervensystem schüttet die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin aus, die den Körper für eine Kampf- oder Fluchtreaktion vorbereiten. Beide Verhaltensweisen gehören zu unserer genetischen Ausstattung und haben in lebensbedrohlichen Situationen Überlebensfunktion. Angst in einer Sprechsituation weist auf eine erlebte soziale Bedrohung hin. Da Flucht oder Angriff nicht umgesetzt werden, kommt es zu einer Überkonzentration der Botenstoffe, die nicht schnell genug abgebaut werden können. Körperlich zeigt sich dies in folgenden Symptomen: Erhöhter Blutdruck, Pulsbeschleunigung, Schwitzen, Erröten, veränderte Atemfrequenz, erhöhte Spannung der Körpermuskulatur - insbesondere auch der Kehlkopf- und Gesichtsmuskulatur, erhöhte Sprechstimmlage, veränderte Gedächtnis- und Wahrnehmungsfunktion, Magen- und Darmbeschwerden. 

    

  • Gedankliche Symptome: Die o.g. körperlichen Symptome werden erst durch die sie begleitenden Gedanken und Interpretationen zu Angstsymptomen: Aktiviert fühlen wir uns nicht nur bei Angst, sondern auch durch Freude, körperliche Anstrengung, als Folge von Kaffeekonsum u.a. Wir würden die körperlichen Symptome jedoch nicht als Angst interpretieren. Befürchtungen in Bezug auf die eigene Leistung und die Bewertung durch die Zuhörerschaft stellen die zentralen Sprechangstsymptome auf kognitiver Ebene dar: Die Situation wird als schwierig oder bedrohlich bewertet und die Möglichkeiten zur erfolgreichen Bewältigung als unzureichend eingeschätzt. Der/die SprecherIn beschäftigt sich gedanklich mit den möglichen Folgen der eigenen Unzulänglichkeit (z. B. Kritik und Blamage) und stellt sich unter Umständen im Vorfeld das eigene Versagen und den Verlust des Ansehens vor.

 

  • Verhaltenssymptome: Die als beängstigend erlebten Körpergefühle und negativen Gedanken und Selbstgespräche wirken sich auf das tatsächliche Verhalten eines Sprechenden aus. Folgende äußere Symptome können beobachtet werden: erhöhte Sprechstimmlage, leise Stimme, monotone Stimmführung, zittrige oder gepresste Stimmgebung, gehäufte Sprechunflüssigkeiten (Versprecher, viele Fülllaute z.B.“ äh“) unpassende Pausen, schnelles Sprechtempo, gesteigerte Atemfrequenz, häufiges Räuspern oder Schlucken, gespannte Gesichtsmuskulatur, angespannte Arme und Hände, verkrampfte Körperhaltung.

 

 

Sprechangst bewältigen – das eigene Potential als SprecherIn ausschöpfen

Angst ist unser Alarmsystem für Lebensbedrohung und sichert unser Überleben. In Maßen aktiviert sie uns und befähigt uns zu Höchstleistungen. Das Ziel besteht daher nicht darin, die Angst zu beseitigen oder sie mit Tricks zu kaschieren, sondern vielmehr der Angst den Schrecken zu nehmen und einen konstruktiven Umgang mit ihr zu erlernen, um das individuelle Potential als SprecherIn zu entfalten.

 

„Sicher zu reden, bedeutet sich selbst wichtig zu nehmen und diesem „Selbst“ den gewünschten Ausdruck zu geben“ (Beushausen)

 

Grundlagen meiner Sprechangsttherapie bilden das Integrative Gruppen- und Einzeltraining (IGE) nach Beushausen sowie ausgewählte Elemente des verhaltensmedizinischen MBSR-Trainings („Stressbewältigung durch Achtsamkeit“) nach Kabat-Zinn.

 

Inhalte des Trainings sind:

  • Wahrnehmungsübungen, die Einsichten über körperliche Symptome, angstverstärkende Gedanken und die dahinterliegenden Vorstellungen sowie das eigene Verhalten in Sprechsituationen liefern.
  • Achtsamer Umgang mit körperlichen (Frühwarn-)symptomen von Sprechangst
  • Strategien zum Umgang mit stressverschärfenden Gedanken
  • Training von Verhaltensfertigkeiten je nach individuellen Bedürfnissen (z.B. individuell stimmige Sprechstimmlage, angemessene Lautstärke, adäquates Sprechtempo, präzise Artikulation etc.)